Das Sportspiel Gorodki steht in Deutschland nicht zuletzt für ein Integrationsverständnis, das von einer dialogischen Annäherung der Aufnahme- und der Zuwandererkultur ausgeht und Fremdes unter dem Aspekt „kulturelle Vielfalt“ nicht als Gefahr sondern als Bereicherung ansieht. Die Aufnahme einer Sportart aus der Kultur der Migranten fördert die Integration in mehrfacher Weise: Die Zuwanderer fühlen sich in ihrer kulturellen Identität ernst genommen. Sie bringen selbst etwas mit, das gleichberechtigt mit anderen Sportarten angeboten wird. Dadurch fällt es ihnen leichter, sich in die neuen Lebensumstände einzuleben und eine gesellschaftliche Heimat zu finden, sich mit dem Angebot zu identifizieren und sich dafür zu engagieren. Die einheimischen Mitbürger begegnen dem neuen Spiel meist mit Neugier und entdecken für sich ein neues Bewegungsangebot. Das wiederum stärkt das Selbstwertgefühl der Zuwanderer, auch im neuen Umfeld anerkannt und akzeptiert zu sein. Somit findet eine kulturelle Annäherung von beiden Seiten statt, die auf einem gleichberechtigten interkulturellen Dialog basiert.

In den 60er Jahren gab es in fast jeder Stadt der ehemaligen Sowjetunion einen öffentlichen Gorodki-Platz, auf dem die Menschen in ihrer Freizeit zusammenkamen. Ein Grund für die Popularität war sicherlich, dass Gorodki ein gemeinschaftsorientiertes Spiel ist, das leicht erlernt werden kann und zu dem man schnell einen motivierenden Zugang findet. Gorodki bietet daher optimale Voraussetzungen, um einen sozialen Treffpunkt im öffentlichen Raum einzurichten, in dem sich Menschen verschiedener Kulturen begegnen können. Mit entsprechend angepasstem Spielgerät können auch ältere Menschen sowie Mädchen und Frauen im Sinne eines generations- und genderübergreifenden Ansatzes problemlos in die Aktivitäten eingebunden werden. Dieser Ansatz ermöglicht den Vereinen außerdem, sich hinsichtlich des demographischen Wandels in Deutschland neuen Zielgruppen zu öffnen.